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"Ein bewegendes Buch, das einen nicht so schnell loslässt!"
Doris Michel-Schmidt | Zeitschrift "Lutherische Kirche"
Dieser Band über einen Seelsorger ist eines der ungewöhnlichsten Bücher des vergangenen Jahres. Es schildert die Arbeit des Pastors Henry Gerecke, der zur seelsorgerlichen Betreuung der Kriegsverbrecher während des ersten Nürnberger Prozesses bestellt war.
Noch in den frühen Stunden des 16. Oktober 1946 werden elf Kriegsverbrecher des NS-Regimes im Gefängnishof in Nürnberg gehängt. Inzwischen gibt es über dieses erste Kriegsverbrechertribunal eine Unmenge von Literatur; aber kaum ein Text findet einen menschlichen Zugang zu diesen Naziverbrechern. Stattdessen werden sie als Monster, als Unmenschen, als das Böse schlechthin tituliert. Und stellt sich nicht ein Unbehagen ein, wenn vom "menschlichen" Zugang zu diesen Menschen die Rede ist? Verbietet sich angesichts des millionenfachen Mordes an Frauen, Männern und Kindern, angesichts von Leichenbergen, Ruinenfeldern und zerstörten Familien jegliches seelsorgerliche Gespräch? Kann es Vergebung geben für millionenfachen Mord? Ist "Vergebung" angesichts der unvorstellbaren Gräuel der Naziherrschaft überhaupt eine adäquate Kategorie? Oder hatte die seelsorgerliche Betreuung der Kriegsverbrecher etwas anderes zum Ziel? Mit welchen Gefühlen müssen wir kämpfen, wenn die Nazigrößen zum Gebet niederknien, wenn sie den Gottesdienst im Gefängnis besuchen, das Abendmahl empfangen?
Man stöhnt bei der Lektüre öfter auf, weil es kaum erträglich scheint, wie sich eine gesprächsbereite, freundliche Atmosphäre in der Gefängniszelle ausbreitet, sobald der Pastor den Raum betritt, wie bereitwillig Hände geschüttelt und Höflichkeiten ausgetauscht werden. Im Buch wird zeitweise von einem entspannten Klima gesprochen, von Vertrauen und Zuwendung, von Vergebung und Nachsicht; aber auch von Starrsinn, von Schuldverneinungen, von Hitlertreue und zuweilen von gegenseitigem Hass der Delinquenten. Pfarrer Gerecke, aus dessen Aufzeichnungen weite Teile des Buches bestehen, blieb entschieden bei seinem seelsorgerlichen Auftrag und seinem Verständnis, das Evangelium der Liebe und Vergebung jenseits weltlicher Urteile zu predigen. Er hielt jeden Abend eine Andacht in der Gefängniskapelle und notierte: "Es war erfreulich, das Wirken des Heiligen Geistes an einigen Männern zu sehen." Es bleibt für uns Nachgeborene trotz allem eine schwere und kaum zu verstehende Lektüre. Dabei schildert der Autor nach einer intensiven Recherche das gesamte Umfeld des Pastors, seinen Werdegang und alle Umstände, die ihn nach Nürnberg führten; er bezieht Prozessakten ein, Zeitzeugen sowie juristische und psychiatrische Gutachten. Vielleicht hilft ein Wort eines der Opfer der Shoa, einen Zugang zu diesem ungewöhnlichen Buch zu fi nden. Jehuda Bacon, ein jüdischer Künstler, erlebte als 14-Jähriger das KZ Auschwitz. Er schreibt in seinen Memoiren: "In jedem Menschen ist ein göttlicher Funke und dieser Funke ist unzerstörbar. Das gilt auch für SS-Verbrecher." Und dann erzählt er von einem SS-Mann, der zehn Jungen hat antreten lassen, um mit ihnen eine Salami zu teilen und sie dann fortzuschicken. "Die SS kann mich zu Asche machen, kann mich vernichten. Aber diesen Funken können sie nicht zerstören."
Thomas Maess | www.evangelische-zeitung.de
Bewertungen
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von Walter.Spermann (Veröffentlicht am 03.03.2019)
Phantastisches Buch!
Für jemand, der sich für das Christentum und für unsere Geschichte interessiert, ist es total interessant.
Toll, wie großartig Pastor Gerecke während der Nürnberger Prozesse als Seelsorger der Nazigrößen gewirkt hat und selbst bei den größten Sündern einige zurück zu Gott geführt hat. Auch sehr genau und sehr glaubwürdig.
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